Die Arbeit unserer Partnerorganisation in Sambia, Chikulupililo Empowerment Community, ist sehr gut angelaufen. Bei einem Projektbesuch im April/Mai 2010 konnten wir uns perso?nlich von einer außergewo?hnlichen und beeindruckenden Arbeit u?berzeugen.

Soziale Problemlagen und Infrastruktur

CECO befindet sich in einem sehr armen Township – Mushili – von ca. 85.000 Einwohnern und ist ca. 7 km außerhalb von Ndola. Es gibt keine asphaltierten Straßen, teilweise offene Kanalisation, Strom und Wasser ist zeitweise unterbrochen. Es gibt kaum Einkaufsmo?glichkeiten und die Produkte, die nicht aus eigenem Anbau stammen, sind sehr teuer. Hauptsa?chlich kleine Subsitenzsta?nde entlang der Staubstraßen sichern vielen Menschen ihre Existenz. CECO ist die einzige Non Profit Organisation (NPO) in Mushili, die sich um die Belange von Frauen in der Gegend ku?mmert.

In ganz Sambia gibt es nur zwei Organisationen, die Frauen die Mo?glichkeit bieten, tempora?r untergebracht zu werden, bei gleichzeitig sehr hohem Bedarf an Schutzmo?glichkeiten. An
Chikulupililo Empowerment Community
medizinischer Versorgung gibt es nur ambulante Kliniken, das na?chste Krankenhaus ist in der Stadt Ndola, zu weit und zu teuer fu?r die meisten Bewohner/-innen von Mushili. Infolge der Schließung der Minen in Ndola und Umgebung durch eine ru?ckla?ufige Nachfrage nach Kupfer und Kobalt, sind Frauen zunehmend die „Breadwinner“ der Familien. Ursache fu?r diese Vera?nderungen ist die globale Finanz- und Wirtschaftskrise. Dieser Wandel stellt die Frauen vor große Schwierigkeiten. Viele ko?nnen weder lesen und schreiben, noch verfu?gen sie u?ber Ausbildungen, die ihnen ermo?glichen einer menschenwu?rdigen Erwerbswirtschaft nachzugehen. Daru?ber hinaus gibt es eine sehr große Anzahl an Witwen und unza?hlige Waisenkinder, die bei Großeltern und anderen Verwandten leben sowie auch viele a?ltere Geschwister, die ihre kleineren Geschwister versorgen mu?ssen, da die Eltern verstorben sind. Prostitution, Alkohol und Drogen sind ebenfalls in Mushili anzutreffen. Gewalt und ha?usliche Gewalt gibt es, aber sehr verdeckt. Daru?ber wird nicht gesprochen.

Die Probleme sind vielfa?ltig und sehr eng miteinander verwoben.

Sozialprogramme

CECO hat seine Arbeit sehr intensiv aufgenommen. Derzeitige Angebote sind, neben ganz individuellen Beratungsmo?glichkeiten, unterschiedliche Ausbildungsprogramme, die als wirtschaft- liches Empowerment verstanden werden. Frauen sollen fu?r ihre Aufgabe als neue „Breadwinner“ der Gesellschaft qualifiziert werden, um den gesellschaftlichen Vera?nderungen ada?quat begegnen zu ko?nnen.

Ganz konkret sind das:

    1. Alphabetisierungskurs: Dieser Kurs war fu?r 20 Frauen vorgesehen und schon jetzt sind es 45, sodass die Gruppe geteilt werden musste. CECO beno?tigt hierfu?r eine Lehrerlaubnis, die nach mehreren bu?rokratischen Hu?rden nun beantragt und bewilligt ist.
    2. Schneiderkurs: Der Schneiderkurs wird in Zusammenarbeit mit einer Kirche angeboten, die die Na?h- und Strickmaschinen und Lehrpersonal zur Verfu?gung stellen. 11 Frauen werden diese Ausbildung nach sechs Monaten mit einem Zertifikat abschließen.
    3. Na?h- und Stickkurse: Derzeit werden hier 25 Frauen befa?higt, Tischdecken und Sofau?berwu?rfe zu na?hen und zu besticken, die nach Fertigstellung auf den lokalen Ma?rkten verkauft werden sollen. Zu beobachten ist, dass die teilweise noch sehr jungen Mu?tter Schwierigkeiten in der Kindererziehung haben, sodass die a?lteren Teilnehmerinnen diesen Raum nutzen, die jungen Frauen in Erziehungsfragen zu unterstu?tzen. Unter anderen Umsta?nden wu?rden die jungen Frauen mo?glicherweise nicht erreicht werden, doch dieser Na?h- und Stickkurs stellt eine einzigartige Mo?glichkeit dar, niedrigschwellig in pa?dagogischen Fragen Einfluss zu nehmen.
    4. Landwirtschaftskurs: Der Landwirtschaftskurs wird in Zusammenarbeit mit dem Landwirt- schaftsministerium in Ndola angeboten. Hier sollen Frauen alles u?ber den Anbau von Gemu?se lernen und daru?ber hinaus, wie sie unter biologischen Gesichtspunkten durch die Einhaltung von Fruchtfolgen ihre Ertra?ge steigern ko?nnen. 40 Frauen haben sich unter Anleitung von CECO und dem Ministerium zu einer Kooperative zusammengeschlossen – unter der Schirmherrschaft von CECO. Ziel der Kooperative ist es, autonom zu wirtschaften und die Ressourcen der Gruppe gemeinschaftlich zu nutzen.
      Wegen gesundheitlicher Probleme wie Mangelerna?hrung und HIV/Aids werden Erna?hrungs- trainings in die Landwirtschaftskurse integriert.
    5. Unternehmensgru?ndung: Außerdem werden in Ku?rze Kurse beginnen, in denen Frauen unterrichtet werden, kleine Unternehmen zu fu?hren, Finanzpla?ne auszuarbeiten etc. Bereits jetzt 18 Anmeldungen registriert.

Neben den Ausbildungs- und individuellen Beratungsmo?glichkeiten, haben die Straßensozial- arbeitsprogramme begonnen. Zwei Straßensozialarbeiterinnen sind ta?glich auf den Straßen Mushilis unterwegs, um die Frauen in ihren Sozialra?umen aufzusuchen. Dies ist eine niedrigschwellige Mo?glichkeit auch jene Frauen zu erreichen, die aufgrund ihrer ganz perso?nlichen Lebensumsta?nde keine Mo?glichkeit haben CECO aufzusuchen. Durch regelma?ßige Besuche an ausgewa?hlten Orten wird eine Vertrauensbasis hergestellt, die fu?r diese Arbeit elementar ist. Aufgabe der Straßensozialarbeiterinnen wird auch sein, Selbsthilfegruppen in den unterschiedlichen Stadtteilen zu initiieren, die bei Bedarf von den Fachkra?ften von CECO unterstu?tzt werden.

Wirtschaftszweige von CECO

    1. Farmen: Die Farmen von CECO, deren Ertra?ge langfristig die Sozialprogramme finanzieren sollen, befinden sich 45 Autominuten außerhalb von Mushili. Die erneute Bewirtschaftung soll im Oktober beginnen, also zu Beginn der Regenzeit. Fru?her ist wegen der schlechten Bewa?sserungsinfrastruktur nicht mo?glich. Es gibt jeweils Brunnen auf den Farmen, jedoch sind die Fla?chen zu groß fu?r die Bewa?sserung von Hand.Die Region ist sehr fruchtbar. Vielerlei Gemu?se kann angebaut werden. Momentan ist das Gras ca. 180cm hoch. Den Farmarbeitern stehen keinerlei Maschinen zur Verfu?gung, die die harte Landwirtschaft in tropischer Hitze erleichtern ko?nnten.
    2. Bauunternehmen: Als sehr vielversprechend gilt der Handel von Bauholz in Sambia. Daher mo?chte CECO in dieses Gewerbe einsteigen. Es werden nur Ho?lzer verwendet, die eigens dafu?r aufgeforstet wurden. Die Marktforschung verspricht ein lukratives Gescha?ft, wenn es angelaufen ist.

Die gewinnbringenden Wirtschaftszweige sind ganz elementar fu?r unsere Partnerorganisation – fu?r ihre sozialen Angebote – da so langfristig eine Eigensta?ndigkeit erzielt werden kann. Die Autonomie von CECO ermo?glicht der Organisation seine Angebote an dem Bedarf der Menschen zu orientieren, unabha?ngig von den Fo?rderzwecken von Geldgebern.

Quelle: Sodalis