Vor sieben Monaten hat unsere Partnerorganisation Chikulupililo Empowerment Community  (CECO) ihre Arbeit aufgenommen mit dem Ziel eine Oase der Hoffnung zu sein, die darin Unterstützung leistet, Ressourcen und Potentiale der Gesellschaft freizusetzen.

Soziale Hintergründe

Die soziale und rechtliche Stellung der sambischen Frau bleibt – nicht nur in ländlichen Gebieten von Stammestraditionen geprägt und stark beeinträchtigt. Das hat zur Folge, dass noch immer Mädchen und Frauen weniger Zugang zu Bildung haben, gleichwohl sie sehr häufig diejenigen sind, die den Lebensunterhalt der Familien sichern, insbesondere durch Landwirtschaft und durch den Verkauf von Produkten aus eigenem Anbau. Nicht selten sind Frauen jedoch gezwungen ihren Lebensunterhalt im informellen Sektor zu verdienen. Die extreme Armut begünstigt die in Sambia verbotene Prostitution. Konsequenz ist, dass betroffene Frauen plötzlich über keinerlei Rechte mehr verfügen und sich in die Illegalität begeben. Schwere Traumatisierungen sind die Folge.

Gewalt und Benachteiligung sind Alltag im Leben von Frauen in Sambia. Der Weg der Beratung im Fall von häuslicher Gewalt ist traditionsgemäß über die Familie des Ehemannes und ältere Menschen. Erschwerend kommt hinzu, dass junge Frauen vor ihrer Hochzeit von den älteren Frauen der Gesellschaft „geschult“ werden, wie sie sich als „gute“ Ehefrauen zu verhalten haben, dazu gehört beispielsweise, Gewalt zu erdulden. Gewaltkreisläufe können dadurch nur schwer durchbrochen werden. Unsere Partnerorganisation Chikulupililo Empowerment Community ist in der Region Kupfergürtel die einzige, die gewaltbetroffenen Frauen Unterschlupf gewährt, bis sie eine Lösung für ihre Situationen gefunden haben.

I.    Sozialprogramme

Durch unterschiedliche Unterstützungsangebote in dem Township Mushili begegnet CECO den vielfältigen Problemen, orientiert an dem Bedarf der Menschen vor Ort.

Ganz wesentlicher Bestandteil der Arbeit in den ersten Monaten war es, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger von Mushili zu gewinnen und zu vertiefen.

1.   Psychosoziale Beratung:

Trotz der beschriebenen traditionellen Beratungswege in Sambia, suchen langsam Frauen mit schwerwiegenden Problemen und Anliegen die Beratungsstelle auf. Allgemein zu beobachten ist, dass gewaltbetroffene Frauen häufig nicht offen über ihre Gewalterfahrungen sprechen aus Scham und Angst vor Stigmatisierung. Umso wichtiger ist es, die Anhaltspunkte zu kennen, die auf Gewalt hindeuten. Ein erster Erfolg ist es, wenn es gelingt, den Klientinnen inmitten der vielfach widrigen Lebensumstände die Teilnahme an einem der Ausbildungsprogramme zu ermöglichen und durch behutsame Gespräche etwas Sicherheit zu vermitteln.

2.   Ausbildungsprogramme:

Landwirtschaftskurs: Die im Mai unter der Schirmherrschaft von CECO gegründete Frauenkooperative ist auf 50 Mitglieder angewachsen. Seit Gründung der Kooperative haben weitere Kurse stattgefunden, in denen die Frauen unterschiedliche Anbaumethoden lokaler Landwirtschaftsprodukte erlernen. Neben dem Landwirtschaftsschwerpunkt werden Ernährungs- und Gesundheitsthemen in die Kurse integriert, wegen der HIV/AIDS Problematik,  allgemeiner Mangelernährung und der hohen Kindersterblichkeit.

Die sambische Regierung fördert im Moment Kooperativen und Individuen durch zinslose Kredite, um Anreize zu schaffen Land zu erwerben. So arbeitet die Kooperative mit Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums und CECO an Anträgen, mittels dieser jede Frau mindestens ein Hektar Land erwerben soll. Über den Besitz von eigenem Land kann die Ernährung der Familie gesichert werden.

Näh-, Stick- und Häkelkurs: 15 Frauen nehmen derzeit an diesem Kurs teil. Neben der Herstellung von Handarbeiten, werden die jungen Frauen in Erziehungsfragen unterstützt. Die 15 Frauen haben sich zu einer Gesellschaft zusammengeschlossen, die sich in Krisen wie Krankheit und Todesfall in der Familie finanziell und psychosozial unterstützen. Geplant ist außerdem, dass die Lehrerinnen in spezifischen Themen wie Frauenrechten, Misshandlung und Missbrauch, HIV/ AIDS und anderen relevanten Themen geschult werden, um diese in dem Kurs an die Frauen weiterzugeben. Dies stellt somit eine sehr niedrigschwellige Methode dar, genannten Themen Raum zu geben, die sonst stark tabubehaftet sind.

Alphabetisierungskurse: Derzeit werden zwei Kurse angeboten, in denen insgesamt 45   Frauen aller Altersstufen alphabetisiert werden. Zweimal pro Woche finden sich die Frauen in den Räumlichkeiten von CECO ein, um Schreiben und Lesen zu lernen. Die Begeisterung der teil-nehmenden Frauen ist so groß, dass in den letzten Wochen der Wunsch entstanden ist, über das Lesen und Schreiben hinaus, einen Schulabschluss zu erlangen. CECO arbeitet nun an einer Konzeption, wie diesem Wunsch nachgekommen werden kann.

Schneiderkurs: Die 11 Frauen, die in dem Schneiderkurs lernen mit Näh- und Strickmaschinen Kleidung herzustellen, bereiten sich derzeit auf ihr Examen vor. In Kürze werden sie den Kurs mit einem Zertifikat abschließen.

Entrepreneurship: Neu hinzugekommen ist der Kurs zur Unternehmensgründung und –führung. 20 Frauen, die bereits vom An- und Verkauf von Produkten leben, besuchen den Kurs, um neben Planungskompetenzen auch kaufmännische Fähigkeiten zu erwerben. Bei Bedarf werden die Frauen auch über den Kurs hinaus in unternehmerischen und kaufmännischen Fragen beraten.

3. Straßensozialarbeit

Die erste Phase der Straßensozialarbeitsprogramme ist abgeschlossen – die Phase der Vertrauensbildung und Bekanntmachung von CECO.

Momentan ist CECO auf der Suche nach einer Sozialarbeiterin, die in den Sozialräumen der Frauen Selbsthilfegruppen für bestimmte Zielgruppen initiiert und leitet, um den vielfältigen Problemen vor Ort niedrigschwelliger begegnen zu können. Die Straßensozialarbeitsprogramme richten sich vor allem an jene Zielgruppen, die aufgrund ihrer spezifischen Lebenslagen das Zentrum nicht aufsuchen können. Diese Probleme sind u.a.: Alkoholismus, Drogen, Prostitution, frühe Schwangerschaften, hohe Schulabgängerquoten aufgrund von Armut, Waisenkinder und Witwen aufgrund von HIV/AIDS und von Kindern geführte Haushalte.

Frauen und Kinder in akuter Gefahr sollen direkt an CECO vermittelt werden, um dort untergebracht zu werden, bis sich ihre Situationen geklärt haben.

II. Gewinnbringende Wirtschaftszweige

Neben den oben beschriebenen Sozialprogrammen, hat CECO begonnen gewinnbringende Wirtschaftszweige aufzubauen, die den sozialen Sektor langfristig finanzieren und Unabhängigkeit gewährleisten sollen:

Farm: Die Farmarbeit soll mit der nächsten Regenzeit im Oktober aufgenommen werden.

Fischfang: Sambia verfügt über große Süßwasservorkommen. Diese möchte CECO während der Fischsaison nutzen, um über den Fischfang Gewinne zu erwirtschaften, die in die Sozialprogramme von CECO fließen. Im Mai wurden erste Weichen gestellt, das Fischereigeschäft zu etablieren.

Handel von Bauholz: Der im vergangenen Bericht angekündigte Handel von Bauholz soll im Mai 2011 etabliert werden. Dieser gilt als sehr vielversprechend in Sambia, weshalb CECO in dieses Gewerbe einsteigen möchte. Es werden ausschließlich Hölzer verwendet, die eigens dafür aufgeforstet wurden. Die Marktforschung verspricht ein lukratives Geschäft, wenn es angelaufen ist.

Unsere Partnerorganisation ist aufgrund der „2-Säulen-Struktur“, den Sozialprogrammen und den Wirtschaftszweigen, einzigartig. Langfristig kann so die Autonomie und somit die Nachhaltigkeit der Angebote von CECO gewährleistet werden. Lokale Fachkräfte garantieren situative und kulturspezifische Aufbauhilfe.

Quelle: Sodalis