21 26.06.2011: Nicht nur Mädchen und Frauen, sondern auch Jungen und Männer profitierten in der ersten Jahreshälfte von den Unterstützungsangeboten unserer Partnerorganisation Chikulupililo Empowerment Community (CECO). Durch die regelmäßige aufsuchende Sozialarbeit konnten von Kindern geführte Haushalte, Alleinerziehende und eine beträchtliche Anzahl misshandelter Frauen und Kinder identifiziert und unterstützt werden.


Prävention und Krisenintervention durch Straßensozialarbeit

In Mushili werden in den verschiedenen Sozialräumen mittels der von CECO initiierten Selbsthilfegruppen immer mehr Menschen erreicht. Jene, die über die Selbsthilfegruppen hinaus Unterstützung brauchten, wurden an den Sozialarbeiter von CECO weitervermittelt. 75 Prozent der durch die Straßensozialarbeitsprogramme identifizierten gewaltbetroffenen Frauen bzw. Mütter von misshandelten oder missbrauchten Kindern, nahmen dieses Angebot wahr. Allerdings gibt es kulturell bedingte Hürden, die viele Frauen davon abhalten, sich den Hilfsangeboten zuzuwenden. Sie befürchten Konsequenzen und haben Angst aus der Familie ausgestoßen zu werden, wenn sie aussprechen, was ihnen wiederfährt. Viele Frauen glauben sogar, dass Misshandlung und Missbrauch normal sind und ertragen werden müssen. Haben es Gewaltbetroffene dennoch geschafft die Beratungsstelle aufzusuchen, ist die Möglichkeit, plötzlich über all das sprechen zu können, sehr befreiend und verschafft ihnen neuen Lebensmut. Die Straßensozialarbeiterinnen unterstützen und begleiten Gewaltbetroffene in dem Prozess die Beratungsstelle aufzusuchen.

Erste Aufklärungs- und Sensibilisierungsseminare haben stattgefunden, in denen über Frauenrechte, die Problematik geschlechtsspezifischer Gewalt, Kindesmisshandlung und Missbrauch gesprochen wurde. Die Seminare wurden von der `Opferunterstützungseinheit´ der Polizei geleitet und fanden in den Räumlichkeiten von CECO statt. Die Kooperation mit der `Verbrechensbekämpfungseinheit´ stellt eine weitere Schnittstelle mit der Polizei dar.

In Mushili verdienen sich viele alleinerziehende Mütter und junge Frauen ihren Lebensunterhalt durch Prostitution und ein Großteil  von ihnen hat sich bereits mit dem HI-Virus infiziert. Außerdem besteht für sie immer die Gefahr, dass sie von der Polizei in Haft genommen werden. Sie benötigen dringend Hilfe – nicht nur medizinischer sondern auch psychosozialer und materieller Art. Durch eine Zusammenarbeit zwischen CECO und der Polizei soll erreicht werden, dass diesen Frauen Hilfsangebote zugänglich gemacht werden. CECO möchte für Frauen, die von der Polizei aufgegriffen werden, eine Notunterbringng und eine psychosoziale Betreuung anbieten. Des Weiteren soll es den Betroffenen ermöglicht werden, in die Ausbildungsprogramme von CECO integriert zu werden, um eines Tages einer menschenwürdigen Erwerbswirtschaft nachgehen zu können. Dieses Bestreben, soziale Lösungsansätze zu verfolgen und anzubieten, ist im Kupfergürtel Sambias einzigartig.

Dank der Kooperation von CECO und der Polizei Mushilis wurde es möglich, dass die `Verbrechensbekämpfungseinheit´ den Straßensozialarbeiterinnen bei der teilweise gefährlichen Arbeit im Township schützend zur Seite steht.

7 Mädchen und Jungen, die aufgrund des Todes ihrer Eltern für die Erziehung und Ernährung jüngerer Geschwister verantwortlich wurden, dürfen jetzt wieder zur Schule gehen. CECO ist es gelungen andere Betreuungsmöglichkeiten für die kleineren Geschwisterkinder aufzutun. CECO kämpft derzeit darum, Finanzierungsmöglichkeiten für die Lebenshaltungskosten dieser, von Kindern geführten Haushalte, zu finden und steht im Kontakt mit Verwandten.

Bildung von Frauen – der Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung

Durch (Aus-)Bildung von Frauen kann nicht nur Gewalt und Ungleichheit begegnet, sondern durch eine aktive Beteiligung der Frauen auch Armut dauerhaft verringert werden. Frauen sorgen für ihre Familien, deshalb sollten sie Zugang zu (Aus-)Bildung haben, um ihre Rolle besser ausfüllen zu können.

Der Aus- und Weiterbildungsbereich unserer Partnerorganisation CECO hat sich in den letzten Monaten folgendermaßen entwickelt:

Alphabetisierungskurs:

Das große Interesse an den Alphabetisierungskursen hält an. 22 Frauen bereiten sich momentan auf ihre Abschlussprüfungen (Stufe 7) vor. Neben Englisch und Mathematik werden sie in den Fächern Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Bemba geprüft. Im Januar wurde von CECO eine Lehrerin eingestellt und acht Sitzbänke angeschafft.

Schneiderkurs:

CECO hat Nähmaschinen angeschafft und eine Schneiderwerkstatt eingerichtet, in der seit Anfang Juni 20 Frauen als Schneiderinnen ausgebildet werden. Um 20 Wochenstunden anbieten zu können, beschäftigt CECO seit diesem Jahr eine Schneiderin. Sie leitet die Teilnehmerinnen im praktischen Unterricht an und vermittelt ihnen Kenntnisse in den Bereichen Materialkunde, Zuschneiden und Nähtechnik. Die Kursleitung greift außerdem auch allgemeine Themen wie beispielsweise die Gewaltproblematik auf.

Kunsthandwerk und Entrepreneurship:

15 Frauen ist es mit Hilfe von CECO gelungen, sich mit kleinen Kunsthandwerkbetrieben selbstständig zu machen. Diese Frauen werden weiterhin von CECO begleitet und in unternehmerischen und kaufmännischen Fragen beraten.

Landwirtschaftskurs:

Die Frauenkooperative, die im letzten Jahr unter der Schirmherrschaft von CECO gegründet wurde, musste große Enttäuschungen hinnehmen. Die durch das Landwirtschaftsministerium versprochene Förderung durch Mikrokredite zum Landerwerb blieb aus. Unsere Partnerorganisation vergab daraufhin zinslose Kredite und stellte der Kooperative Land zur Verfügung.

Autonomie durch eigene Unternehmen

Die Gewinne der Wirtschaftszweige von Chikulupililo Empowerment Community sollen ausschließlich der Gemeinschaft zu Gute kommen. Durch kontinuierliche Einnahmen der Farmen, des Bauunternehmens und der Handelsgeschäfte mit Reis und Fisch soll eine langfristige Unabhängigkeit unserer Partnerorganisation gesichert werden. Durch diese wirtschaftliche Autonomie können sich die Unterstützungsangebote ganz am Bedarf der Menschen orientieren – unabhängig von den Förderzwecken der Geldgeber.

sodalis ist es gelungen einen betriebswirtschaftlichen Berater nach Sambia zu entsenden, der CECO seit April darin unterstützt, die gewinnbringenden Wirtschaftszweige auf- und auszubauen, damit sie in Zukunft  als `Sozialunternehmen´[1] der Gemeinschaft von Mushili dienen können. Neben dem systematischen Aufbau dieser Unternehmenszweige liegen die Aufgaben unseres Experten in der Beratung der Organisation, sowie der Erkundung und Etablierung von Märkten, auf denen die Produkte verkauft werden können.

Der landwirtschaftliche Betrieb hat sich gut entwickelt. Im April konnten große Mengen an Kohl geerntet werden, der auf den lokalen Märkten in Ndola verkauft wurde. Das diesjährige Fischgeschäft wurde im Mai aufgenommen. Auch diese wirtschaftlichen Bereiche von CECO sollen durch die Unterstützung unseres Beraters zunehmend professionalisiert werden.

Entwicklung durch Visionen

Chikulupililo Empowerment Community entwickelt sich und mit dem Wachstum steigt der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Neben der steigenden Zahl an ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen und Honorarkräften arbeiten bei CECO seit diesem Jahr drei neue Mitarbeiter/innen in den Ausbildungsbereichen. Wir von sodalis  haben uns außerdem nach eineinhalb Jahren entschieden, das intensive und ehrenamtliche Engagement der Initiatorin und Geschäftsführerin von CECO, Lillie Zulu, mit einer finanziellen Unterstützung zu würdigen. Die Belastungen für ihre sechsköpfige Familie wurden zu groß und es bestand die Gefahr, dass sie ihre Tätigkeit für CECO aufgrund finanzieller Nöte aufgeben muss.

Durch das kontinuierliche Wachstum unserer Partnerorganisation und einer drastischen Erhöhung der geforderten Miete, wurde bereits ein erster Umzug erforderlich. Das neue Gebäude musste von CECO renoviert werden und wurde bereits im Mai bezogen. Neben einem Beratungszimmer, einer Notunterbringung, einem Unterrichts- und Handwerksraum und einem Büro, konnte eine Schneiderwerkstatt eingerichtet werden, die mit Nähmaschinen ausgestattet wurde.

Neben der Kooperation mit dem Bildungs-, Sport- und Landwirtschaftsministerium, sowie der Polizei, Schulen und Kirchengemeinden hat Chikulupililo Empowerment Community begonnen, andere Nichtregierungsorganisationen (NRO) in Mushili durch Beratung zu unterstützen. CECO ist es in seiner sehr kurzen Zeit als NRO gelungen, nicht nur das Vertrauen der Bürger/innen sondern auch öffentlicher Stellen zu gewinnen.


[1] Der Begriff Sozialunternehmen wurde von dem Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus aus Bangladesch geprägt. Zweck eines Sozialunternehmens soll nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Lösung von sozialen – und Umweltproblemen sein.