Die große Mehrheit der etwa 11 Millionen Einwohner Sambias gehört zu den ärmsten Bewohnern der Erde. Insbesondere Frauen und Kinder sind von der Armut betroffen! Das hat tiefgreifende Auswirkungen auf alle Lebensbereiche der Menschen und begünstigt Perspektivlosigkeit und Gewalt. Frauen und Mädchen gehören in Afrika immer zu den ersten Opfern der Gewalt. Wir von sodalis – Partnerschaft für Eine Welt und unsere Partnerorganisation vor Ort in Sambia – Chikulupililo Empowerment Community (CECO) – haben uns daher zur Aufgabe gemacht, vielfältige Unterstützungsangebote für Frauen und Kinder zu schaffen, das Schweigen zu brechen und Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Bei einem Besuch im April diesen Jahres konnten wir uns von einer Arbeit überzeugen, die die Menschen in ihren Nöten erreicht und Hilfe leistet, eine Arbeit, die innerhalb von nur zwei Jahren große Früchte trägt! Unzählige Menschen suchen unsere Partnerorganisation auf, weil sie Hilfe benötigen und CECO ist es gelungen, das Vertrauen der Menschen in Mushili zu gewinnen. In unzähligen Gesprächen mit Klientinnen, mit Netzwerkpartner/innen und mit den Mitarbeiter/innen durften wir erleben, welche Tragweite die Angebote für die Menschen haben, welche Perspektiven sich für sie auftun. Plötzlich fassen Menschen neuen Lebensmut, weil sich neue Wege auftun, die ihnen ein besseres Leben in Würde ermöglichen. All das ist derzeit nur möglich, weil wir viel Unterstützung von Menschen aus Deutschland erhalten, denen allen ein ganz großer Dank gilt.

Pläne und Visionen

Es ist erfreulich beeindruckend zu sehen, wie gut unsere Partnerorganisation angelaufen ist. In gerade einmal zwei Jahren, in denen CECO verschiedenste Unterstützungsmöglichkeiten etabliert hat, hat sich CECO zu einer namenhaften Organisation in Mushili entwickelt. Das Vertrauen der Menschen ist groß.

Da unsere Partnerorganisation rasant wächst, wurde im vergangenen Jahr ein erster Umzug erforderlich. Bei unserem Besuch hat sich gezeigt, dass auch die neuen Räumlichkeiten bereits zu klein geworden sind und CECO außerdem willkürlichen Mietpreiserhöhungen ausgesetzt ist, an der unsere Partnerorganisation schwer trägt. Daher haben wir uns mit unseren Partnern vor Ort in Sambia entschieden, ein Grundstück zu erwerben und zu bauen, um mehr wirtschaftliche Stabilität zu gewähren und damit Kontinuität für die Hilfesuchenden.

Ein Grundstück haben wir bereits in Aussicht, ein Architekt ist beauftragt, die geplanten Gebäude zu entwerfen.

Sie können helfen, dieses Bauvorhaben zu realisieren.

Straßensozialarbeit – Hilfe in akuter Not

Durch die allgegenwärtige Armut ist die Perspektivlosigkeit und Not in Mushili groß. Viele Mädchen und Frauen haben oft keine andere Chance als ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien durch Arbeit im informellen Sektor zu finanzieren. Bei den nächtlich angebotenen Straßensozialarbeitsprogrammen, die nur unter Polizeischutz möglich sind, wurden wir Zeugen, wie junge Mädchen, teilweise noch Kinder und junge Frauen sich prostituierten, alkoholisiert und unter Drogen. Die Sozialarbeiterinnen von CECO unterbreiteten Frauen in Gesprächen die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten durch unsere Partnerorganisation. 75 Prozent der Mädchen und Frauen gelingt es durch die unterbreiteten Ausbildungsperspektiven aus ihren alten Lebensbezügen auszubrechen. Enge psychosoziale Beratung und Begleitung ist in vielen Fällen notwendig, da Traumatisierungen groß sind.

Auch tagsüber sind die Straßensozialarbeiterinnen in Mushili unterwegs, um von Kindern geführte Haushalte, Alleinerziehende und Witwen zu identifizieren, die in sehr vielen Fällen Hilfe benötigen. Beispielsweise suchten wir eine 10-köpfige Familie auf, die versuchte sich über die Verkäufe von Feuerkohle über Wasser zu halten. Der Frau, die dieses kleine Verkaufsgeschäft betrieb bekam die Möglichkeit durch CECO eine Ausbildung zu durchlaufen, die ihr und damit ihrer Familie neue Perspektiven ermöglicht.

Seelisches Leid ist kein Tabu

Die Beratungsangebote sind wegweisende und bahnbrechende Unterstützungsangebote für Frauen und Mädchen in der Region im Hinblick auf traumatische Erfahrungen. Betroffene erfahren hier starke Entlastung, haben sie es einmal geschafft über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen. Dieser Bereich soll in den nächsten Jahren stark ausgebaut werden, da CECO die einzige Institution ihrer Ausprägung in Mushili ist und sich in den letzten zwei Jahren gezeigt hat, dass der Bedarf sehr groß ist.

Bildung für alle

Die Alphabetisierungskurse haben sich zu einer wohl funktionierenden Schule entwickelt, in der alle vom sambischen Lehrplan vorgeschriebenen Fächer unterrichtet werden. Täglich herrscht ein reger Schulbetrieb, da derzeit insgesamt 54 Mädchen und Frauen im Alter von 12 bis 60 Jahren in drei Klassenstufen unterrichtet werden. Klasse 1-3 und Klasse 4-6 werden jeweils gemeinschaftlich unterrichtet und die 7. Klasse als Examensklasse individuell auf ihre Prüfungen vorbereitet. Es ist ein besonderes Erlebnis die Schülerinnen aller Altersstufen zu sehen, wie sie hochkonzentriert und wissbegierig den Unterrichten folgen. Sie sind häufig nur ausgestattet mit einem kleinen Schulheft und einem Stift.

Auch die Landwirtschaftskooperative tagte während unseres Besuchs in Mushili. Diese Gruppe, bestehend aus 36 Frauen, zeichnet sich durch einen eisernen Willen aus, ihre Lebenssituationen zu verbessern. Viele Rückschläge hatte die Gruppe im vergangenen Jahr erleiden müssen. Landversprechungen seitens der Regierung waren durch den Regierungswechsel zerschlagen worden. Mit Hilfe von CECO konnte die Kooperative sich weiterbilden und mit einer eigenen Hühnerzucht beginnen. Die ersten Gewinne aus der Hühnerzucht wurden in Saatgut investiert. Die Solidarität in der Gruppe ist groß und war bei unserem Besuch deutlich zu spüren. In Krisen scheint es für die Frauen selbstverständlich zu sein, sich gegenseitig Hilfe zu leisten. In diesem Jahr verfolgt die Kooperative das Ziel, als eigenständige Kooperative registriert zu werden, um vergünstigt Saatgut und Düngemittel zu erwerben, sowie Dienstleistung in Anspruch zu nehmen.

Der dritte Schneiderkurs feierte Examen, während wir von „sodalis“ zu Besuch waren. 16 Frauen hatten ein halbes Jahr auf diesen Tag hingearbeitet, beschäftigten sich mit Materialkunde, verschiedenen Nähtechniken und übten praktisch an manuellen Nähmaschinen. Hier war großes Improvisationstalent gefragt, da CECO nur über drei Nähmaschinen verfügt. Immer fünf Frauen mussten sich eine Maschine teilen. Während eine Frau nähte, schnitten die anderen ihre Stoffe zu oder beschäftigten sich theoretisch mit Nähtechniken und den verschiedenen Materialien.

Für die Examensfeier hatten sich alle Schneiderinnen Kleider genäht, die sie voller Stolz trugen. Sie hatten musikalische Beiträge, Sketche und eine Rede vorbereitet. Sie würdigten das Engagement unserer Partnerorganisation und seine Vision, für Frauen und Mädchen einzutreten. Sie fühlen sich wahrgenommen und geachtet.

Durch den Entrepreneurship – Kurs konnten 30 Frauen geschult werden, eigene kleine Unternehmen zu führen. Ein Großteil der Teilnehmerinnen waren Witwen, Frauen die für ihre Kinder und Enkelkinder aufkommen mussten. Nach erfolgreichem Training wurden die Frauen mit einem kleinen Gründungskapital ausgestattet, um eigene kleine Geschäfte aufzumachen. Josefine ist eine von ihnen. Sie hat ein kleines Lebensmittelgeschäft aufgemacht, in dem sie auch Kleidung nach Auftrag anfertigt.

Netzwerkarbeit

Chikulupililo Empowerment Community ist seit Aufnahme der ersten Unterstützungsangebote vor zwei Jahren bereits sehr gut in Mushili und Ndola vernetzt. Wir hatten die Möglichkeit die teilweise international agierenden kooperierenden Institutionen kennenzulernen. ASASA ist eine von CARE International implementierte Anlaufstelle für Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt die medizinische und psychologische Nothilfe leistet und in einem Prozess juristisch begleitet. Human Rights ist eine von der UN geförderte Menschenrechtsorganisation, die bei Menschenrechtsverletzungen juristisch berät und Betroffene auch vertritt. Auch die Polizei ist Kooperationspartnerin mit ihrer Opferschutzeinheit und der Gewaltpräventionsstelle.

Auch auf politischer Ebene genießt CECO großes Ansehen. Bereits mit drei Ministerien kooperiert unsere Partnerorganisation: Bildungs-, Landwirtschaft- und Sport-/ Entwicklungsministerium. Während unseres Besuchs empfingen wir Vertreterinnen des Büros für Stadtentwicklung und soziale Fragen, die sich sichtlich beeindruckt von Konzept und Vorgehen unserer Partnerorganisation zeigten. Insbesondere die Nachhaltigkeit der Unterstützungsangebote war ihnen ein Anliegen. Diese fanden sie in den Unternehmenszweigen bestätigt, die sich derzeit im Aufbau befinden.

Wirtschaftliche Unternehmen

Die Vision von sodalis – Partnerschaft für Eine Welt e.V. und CECO ist die langfristige Autonomie  von CECO. Um dieses Ziel zu erreichen etabliert CECO parallel zu den sozialen –Unterstützungsangeboten ein gewinnbringendes wirtschaftliches Unternehmen, das im vergangenen Jahr erste kleine Gewinne durch den landwirtschaftlichen Betrieb verbuchen konnte. Langfristig soll die Finanzierung des sozialen Sektors von CECO durch drei Bereiche gewährleistet werden: Landwirtschaft, Handelsgeschäfte mit Fisch und Reis und durch ein Bauunternehmen.

Vor vier Wochen haben wir nach langer Suche endlich einen neuen betriebswirtschaftlichen Berater gefunden, der CECO darin unterstützt, die gewinnbringenden Unternehmenszweige systematisch auf- und auszubauen und Märkte erkundet, die lukrativ für die Produkte von CECO sind. Der Experte kommt aus Sambia, kennt die Märkte in Sambia und kann somit kulturspezifischen Gegebenheiten adäquat begegnen.

Unser anspruchsvolles Ziel, gleich alle drei wirtschaftlichen Bereiche auf einmal aufzubauen – parallel zu den sich im Aufbau befindlichen sozialen Unterstützungsangeboten – war sehr ehrgeizig, der Druck auf unsere Partnerorganisation sehr hoch. Bei unserem Besuch haben wir daher gemeinsam mit unseren Partnern in Sambia festgelegt, dass ein Sektor nach dem anderen Aufbauen. Erst wenn dieser gut angelaufen ist, kann mit dem nächsten begonnen werden. In diesem Jahr will sich CECO daher auf den landwirtschaftlichen Bereich konzentrieren, um die Gewinne zu steigern, die bereits im vergangenen Jahr erwirtschaftet worden sind.

Chikulupililo Empowerment Community hat sehr viel erreicht. CECO zeigt sich als eine Organisation mit großem Weitblick, reflektiert seine Arbeit und sein Vorgehen und hat sich daher als eine besondere Partnerorganisation erwiesen.