I. Vielfältige Hilfe durch individuelle Unterstützungsangebote

Schnelle Hilfe durch Straßensozialarbeit: Die Not der Menschen in Mushili hat viele Gesichter und die Perspektivlosigkeit ist groß. Durch die häufig unsicheren Lebensumstände werden Frauen und auch Kinder vielfach gezwungen, ihren Lebensunterhalt im informellen Sektor zu verdienen, z.B. in der in Sambia verbotenen Prostitution. Damit verlieren Betroffene nicht nur ihre Würde, sondern machen sich zusätzlich strafbar und werden dadurch an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Prostituierte werden deutlich häufiger Opfer von Gewalt als andere Frauen und Mädchen. Meist nur alkoholisiert und unter Drogen sind Frauen und Kinder anzutreffen, die der Prostitution nachgehen. Sie brauchen dringend Beratung und Hilfe. Durch die nächtlich angebotene Straßensozialarbeit werden Betroffene in ihren Sozialräumen aufgesucht und durch kontinuierliche, behutsame und respektvolle Beratungsgespräche in die verschiedenen Unterstützungsprogramme von CECO ge- und begleitet. Diese nächtliche Arbeit ist für die Sozialarbeiterinnen sehr gefährlich und daher nur unter Polizeischutz möglich. Trotz der Schutzvorkehrungen wurde in diesem Jahr eine unserer Straßensozialarbeiterinnen auf ihrem Heimweg überfallen. Um hier die Sicherheit der Mitarbeiterinnen zu gewährleisten ist CECO derzeit auf der Suche nach einer sicheren nächtlichen Transportmöglichkeit.

Neben der nächtlichen aufsuchenden Sozialarbeit, sind zwei Sozialarbeiterinnen tagsüber in den Straßen von Mushili präsent, um von Kindern geführte Haushalte, Alleinerziehende, Witwen, schwangere Teenager, von Missbrauch betroffene Kinder oder verheiratete Kinder usw. zu identifizieren.

CECO hat Selbsthilfegruppen in den Sozialräumen der Menschen ins Leben gerufen, um Frauen, Männern und ihren Angehörigen in ihren spezifischen Lebenssituationen die Möglichkeit des Informations- und Erfahrungsaustauschs, der praktischen Lebenshilfe sowie der gegenseitigen emotionalen Unterstützung und Motivation zu geben. Meist unter einem schattenspendenden Baum finden regelmäßig Selbsthilfegruppen unter der professionellen Leitung von CECO statt. Beispielsweise hat sich eine Gruppe von HIV/ AIDS betroffenen Frauen und Männer gebildet, die sich seit Juli 2012 regelmäßig trifft.

Psychosoziale Betreuung und Beratung: Internationalen Menschenrechtsorganisationen zu Folge erfährt über die Hälfte aller Mädchen und Frauen sexualisierte und physische Gewalt in Sambia. Die Zahlen verdeutlichen einen enormen Bedarf an psychosozialer Betreuung und Beratung. Durch die individuelle Beratung von CECO konnten viele Frauen professionell beraten und begleitet werden.

Die Beratungsangebote sollen in den nächsten Jahren ausgebaut werden, da CECO die einzige Organisation ihrer Ausprägung in Mushili und der Bedarf sehr groß ist.

Insbesondere durch die Straßensozialarbeitsprogramme konnte die Zugänglichkeit der Beratungsangebote erhöht werden. Es zeigt sich, dass Hilfesuchende durch die psychosoziale Betreuung und Beratung starke Entlastung erfahren insbesondere im Hinblick auf traumatische Erlebnisse. Frauen, die sexualisierter oder geschlechtsspezifischer Gewalt, Unterdrückung oder Diskriminierung ausgesetzt sind, werden darüber hinaus über ihre Rechte aufgeklärt. Bei Bedarf können sie an eine Rechtberatung von kooperierender NGOs weitervermittelt werden, in der sie juristische Beratung und Vertretung erfahren.

Darüber hinaus werden Hilfesuchende durch die individuellen Beratungsangebote in die unterschiedlichen (Aus-) Bildungsprogramme, Kooperativen, Selbsthilfegruppen, Seminare und Freizeitangebote von CECO integriert und an kooperierende Akteure weitervermittelt.

Aufklärungs- und Sensibilisierungsseminare haben stattgefunden, die über Frauenrechte, die Problematik geschlechtsspezifischer Gewalt, Kindesmisshandlung und –missbrauch gesprochen wurde. Die Seminare wurden in Zusammenarbeit mit der Polizei und verschiedenen Menschenrechtsorganisationen angeboten.

Unterbringung in Notsituationen: Die Notunterbringung von CECO bietet bedrohten Frauen und ihren Kindern Unterkunft und Sicherheit vor Misshandlungen und in akuten Krisensituationen, ein bisher einmaliges Konzept im sambischen Kupfergürtel. Im Schutz der Notunterkunft setzen sich Gewaltbetroffene mit ihren traumatischen Erfahrungen auseinander, erfahren psychosoziale Entlastung und entwickeln mit Unterstützung der Sozialarbeiter/innen neue Perspektiven. So erfuhren Kinder (Mädchen und Jungen) und Frauen Schutz in akuter Not.

Freizeit und Erholung: Freizeit und Erholung spielt eine wichtige Rolle, um innere Heilungsprozelle traumatisierter Mädchen und Frauen zu fördern. Aus diesem Grund hat CECO in der Zwischenzeit zwei Sportmannschaften, eine Volleyball- und eine Fußballmannschaft, die sehr erfolgreich gegen andere Unternehmensmannschaften antreten. Der Spaß an der sportlichen Aktivität ist groß. Das Entwicklungs- und Sportministerium kooperiert an dieser Stelle mit CECO.

Chancen – Bildung – Perspektiven: Durch die Implementierung von verschiedenen (Aus-) Bildungsprogrammen begegnet CECO dem steigenden Bedarf, Frauen zum Einen ein Grundrecht auf Bildung zu ermöglichen und zum Anderen sie auf die Rolle als „Breadwinner“ der Gesellschaft vorzubereiten.

Die Schule von CECO umfasst Klasse 1 – 7 und alle vorgeschriebenen Fächer des sambischen Lehrplans werden unterrichtet. 60 Mädchen und Frauen im Alter zwischen 13 und 60 Jahren besuchen die kleine Bildungseinrichtung. Bereits zum zweiten Mal wurden Abschlussprüfungen an der Schule abgenommen. Alle 17 Schülerinnen der Abschlussklasse bestanden die Prüfungen der Primarstufe und wechseln nun an die Abendschule für die Sekundarstufe. Die Nachfrage ist groß und verdeutlicht einen großen Lernwunsch bei Mädchen und Frauen.

Auch der Schneiderkurs genießt ein hohes Ansehen. Mädchen und Frauen lernen in diesem Kurs verschiedene Nähtechniken und Materialien kennen. 25 Schülerinnen schlossen den diesjährigen Kurs erfolgreich ab. Improvisation ist in dem Schneiderkurs gefragt. Noch immer verfügt CECO nur über vier Nähmaschinen, weshalb die Frauen sich im Unterricht abwechseln müssen. Während die Einen nähen, schneiden Andere zu und Dritte befassen sich mit den theoretischen Grundlagen der Schneiderei.

Die von CECO gegründete Landwirtschaftskooperative mit ihren derzeit 36 Mitgliedern verfolgt durch ihren gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb die einzelnen Mitglieder wirtschaftlich zu fördern. So hat die Kooperative auf dem Grund von CECO mit der Hühnerzucht begonnen und konnte bereits erste wirtschaftliche Erfolge für die Frauen erzielen. Die Kooperative, die hauptsächlich aus älteren Frauen besteht, zeichnet sich durch eine starke Solidarität und Hartnäckigkeit aus. So konnte in diesem Jahr endlich die Registrierung als Kooperative nach zweieinhalb Jahren Wartezeit vollzogen werden.

Durch den Entrepreneurship – Kurs konnten 50 Frauen geschult werden, eigene kleine Unternehmen zu führen. Alle Teilnehmerinnen erhielten ein kleines Gründungskapital, um ihre Betriebsidee umzusetzen, z.B. ein Gemüsehandel oder eine Schneiderei etc. Ein Großteil der Teilnehmerinnen waren Witwen, Frauen, die für ihre Kinder und Enkelkinder aufkommen mussten und alleinerziehende Mütter.

Kooperation und Vernetzung: Seit Gründung von Chikulupililo Empowerment Community verfolgt unsere Partnerorganisation das konsequente Ziel der Vernetzung, um Ressourcen zu bündeln und eine bestmögliche Unterstützung für Hilfesuchende zu erzielen. So arbeitet CECO eng mit vier Ministerien zusammen: Bildungs-, Landwirtschaft- und Sport-/ Entwicklungsministerium und Ministerium für Stadtentwicklung und soziale Fragen. Darüber hinaus kooperiert CECO mit namenhaften NGOs wie ASASA, eine von CARE International implementierte Anlaufstelle für Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt, die medizinische und psychologische Nothilfe leistet und in einem Prozess juristisch begleitet. Human Rights ist eine von der UN geförderte Menschenrechtsorganisation, die bei Menschenrechtsverletzungen juristisch berät und Betroffene auch vertritt. Auch die Polizei ist Kooperationspartnerin mit ihrer Opferschutzeinheit und der Gewaltpräventionsstelle.

II. Autonomie durch wirtschaftliche Unternehmen

Zur langfristigen Finanzierung der beschriebenen Unterstützungsangebote befinden sich gewinnbringende Wirtschaftzweige im Aufbau.  Durch die kontinuierlichen Einnahmen soll eine langfristige Unabhängigkeit der Partnerorganisation gesichert werden. Dieser Sektor gliedert sich in drei Bereiche, die nach und nach etabliert werden sollen: 1. Landwirtschaftliche Betriebe mit einer Hühnerfarm, 2. Handelsgeschäfte mit Reis und Fisch und 3. Holzfachhandel.

Seit Juni ist ein betriebswirtschaftlicher Berater eingestellt, der den wirtschaftlichen Sektor etablieren und ausbauen soll. So wurde in diesem Jahr neben der kleinen Landwirtschaft mit einer Hühnerfarm begonnen, die erste kleine Gewinn verbucht. Jedoch ist der Wettbewerb auf dem Hühnermarkt groß und der Berater ist derzeit damit befasst, neue Märkte im Kupfergürtel zu erschließen.