- Situation der Frauen vor Ort –

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Durch den Verfall des Kupferpreises und den Zusammenbruch der Kupferindustrie durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 hat die Armut im industriellen Zentrum Sambias, dem Kupfergürtel, in den letzten Jahren stark zugenommen. Sambia zählt mit seinen 11 Millionen Einwohner/innen zu den ärmsten Ländern der Welt. 64 Prozent der Bürger/innen muss mit weniger als 1 US-$ am Tag auskommen.

Mädchen und Frauen haben es in dem südlich-afrikanischen Land besonders schwer. Mädchen gehen dort seltener zur Schule als Jungen, werden häufiger Opfer von Gewalt und haben oft nicht die Freiheit, selbstbestimmt über ihr Leben zu entscheiden. Die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen nimmt bei der Armutsbekämpfung eine Schlüsselrolle ein. Frauen tragen die Hauptlast der Armut: 70 Prozent der Armen in Sambia sind Frauen; sie leisten mehr als die Hälfte aller Arbeitsstunden. Sie produzieren den größten Teil der Nahrungsmittel. Mädchen und Frauen arbeiten oft im häuslichen oder ungeschützten Bereich der Schattenwirtschaft. Sie haben keine rechtlich geschützte Stellung. Durch massenhafte Schließungen der Bergwerke verloren tausende Männer ihre Arbeitsstellen, weshalb Frauen zunehmend die Rolle als „Breadwinner“ ausfüllen müssen und das ohne jegliche Ausbildung. Patriarchale gesellschaftliche Strukturen in Sambia fördern starke Abhängigkeiten. Das Gewohnheitsrecht aller 72 Ethnien in Sambia besagt, das im Falle von Scheidung oder Tod des Ehemannes das ganze Vermögen in den Besitz der Familie des Ehemannes übergeht. Dadurch entstehen starke Abhängigkeiten, weshalb Frauen häufig Gewalt und Erniedrigung ertragen (müssen). Angaben von Human Rights zufolge erfahren 50% aller Mädchen und Frauen in Sambia physische und/ oder sexualisierte Gewalt.

Durch die extreme Armut sind viele Frauen gezwungen im informellen Sektor zu arbeiten, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Die Armut begünstigt aber auch einen stark zunehmenden Menschenhandel in ganz Afrika aber auch in Sambia. In der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen für sich selbst und ihre Kinder, lassen sich Frauen auf Versprechungen von Schlepperbanden ein. Plötzlich finden sie sich in Zwangsarbeit und der in Sambia verbotenen Prostitution wieder, wo sie über keinerlei Rechte verfügen und sich in die Illegalität begeben. Schwere Traumatisierungen sind die Folge. Durch die angrenzenden Kriegs- und Krisengebiete der Demokratischen Republik Kongo und Angola ist Sambia Zielland für viele Flüchtlinge. Viele von ihnen sind durch Kriege stark traumatisiert.

Etwa zwei Drittel der sambischen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Der Anbau landwirtschaftlicher Produkte in Monokulturen ist hier weit verbreitet, was zu einer starken Übernutzung der Böden führt. Die Bodenqualität nimmt ab, da die Pflanzenarten dem Boden über Jahre die gleichen Nährstoffe entziehen, was zu geringen Ernten und Landschaftsveränderung und damit zu folgenreichen Umweltproblemen führt und das Armutsrisiko erhöht. Die Menschen behelfen sich mit chemischen Düngemitteln, um rückläufigen Ernten entgegenzuwirken und damit die Ernährung ihrer Familien zu sichern. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass die Saatgutvielfalt verschwunden ist und die Bauern auf Saatgut der Großkonzerne angewiesen sind. Das hat fatale Folgen für die kleinräumige bäuerliche Landwirtschaft in Sambia: Der Anbau von regional gezüchteten Sorten und insbesondere der Nachbau – also die Wiederaussaat eines Teils der letzten Ernte – wird zunehmend erschwert. Dies geschieht einerseits durch technische Maßnahmen seitens der Saatgutkonzerne und anderseits durch gesetzliche Bestimmungen und führt zu einer rigorosen Verarmung der Saatgutvielfalt. Düngemittel und Saatgut sind sehr teuer, was zusätzliche Belastungen für die arme Bevölkerung darstellt und Abhängigkeiten schafft.

Unsere Partnerorganisation CECO reagiert mit dem Aufbau eines biologisch-landwirtschaftlichen Betriebes auf die oben beschriebenen vielschichtigen und ineinandergreifenden sozialen und ökologischen Probleme.